Wolfenstein: The Old Blood
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Ein Pulp-Horror-FPS als eigenständige Geschichte, der eine Verbeugung vor Schloss Wolfenstein, Nazi-Okkultismus und B-Movie-Exzessen darstellt. Es tauscht die Schwere von The New Order gegen unerbittliche Action und übernatürliches Spektakel, was es sowohl zu einem nostalgischen Rückblick als auch zu einem thematischen Experiment innerhalb der Serie macht.
Beschreibung
Angesiedelt in einem alternativen Jahr 1946 folgt Wolfenstein: The Old Blood B.J. Blazkowicz bei seinem Infiltrationsversuch von Schloss Wolfenstein, um Informationen über Deathsheads Hauptquartier zu beschaffen. Die Handlung erstreckt sich über zwei miteinander verbundene Kampagnen: Rudi Jäger und die Höhle der Wölfe sowie Die dunklen Geheimnisse von Helga von Schabbs, die den Wandel von klassischer Spionage und Gefängnisausbrüchen hin zu okkultem Horror vollziehen. Während The New Order auf dystopische Schwere setzte, entscheidet sich The Old Blood bewusst für einen pulpig-überzogenen Ton, der sich am klassischen Horrorkino und den okkulten Wurzeln der Reihe bedient.
Die erste Hälfte des Spiels konzentriert sich auf Infiltration und Widerstand, während B.J. durch die verschlungenen Korridore von Schloss Wolfenstein navigiert. Diese Kulisse ist eine bewusste Reminiszenz an Wolfenstein 3D und erzeugt durch ihre Architektur, Geheimgänge und militarisierten Wachen ein nostalgisches Gefühl. Die zweite Hälfte schlägt eine drastische Richtung zum Horror ein, als Helga von Schabbs bei Ausgrabungen alter Krypten untote Monstrositäten entfesselt. Dieser Tonalitätswechsel verwandelt das Spiel von einem Kriegsbericht in einen übernatürlichen Thriller, der Anleihen bei B-Movie-Tropes wie Nazi-Zombies und verfluchten Relikten nimmt.
Spielmechanisch behält The Old Blood das temporeiche Gunplay von The New Order bei, führt aber neue Werkzeuge ein – allen voran das Rohr, das sowohl als Nahkampfwaffe als auch als Kletterinstrument dient. Die Kämpfe sind gnadenlos, mit Wellen von Supersoldaten, Panzerhunden und schließlich zombieartigen Shamblern. Das Design priorisiert energiegeladene Action gegenüber erzählerischer Subtilität und hält Spieler in fast konstanten Feuergefechten.
Thematisch untersucht das Spiel die Schnittmenge von Wissenschaft, Mythos und Angst. Obwohl die übernatürlichen Elemente als okkulter Horror präsentiert werden, wird oft eine wissenschaftliche Erklärung angedeutet, was die Grenze zwischen Mystik und Technologie verschwimmen lässt – ein wiederkehrendes Motiv der Serie. Der Ton ist bewusst pulpig und überzeichnet, mit comicartigen Schurken, grotesken Experimenten und einer gesteigerten Inszenierung. Wo The New Order seine Charaktere humanisierte und auf Tragik setzte, schwelgt The Old Blood in B-Movie-Exzess und positioniert sich als Hommage und Pastiche zugleich.
Die Fachpresse lobte die Intensität der Kämpfe, das nostalgische Setting und die horrorlastige Atmosphäre, obgleich einige die emotionale Tiefe von The New Order vermissten. Der Umschwung zum Pulp-Horror war zwiegespalten: Für die einen eine willkommene Rückkehr zu den Ursprüngen, für andere weniger gehaltvoll. Dennoch bleibt es als eigenständige Erweiterung anerkannt, die die Lücke zwischen der geerdeten Dystopie von The New Order und der langen Geschichte des okkulten Pulps schließt.
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