Ghost Rider
Eine überraschend kompetente Filmumsetzung aus der späten PS2-Ära mit einer von legendären Comic-Autoren verfassten Geschichte und einer Grafik, die die Hardware ans Limit treibt.
Beschreibung
Ghost Rider ist ein rasanter Hack-and-Slash-Titel, der begleitend zum Kinofilm mit Nicolas Cage erschien. Anstatt lediglich die Filmhandlung nachzuerzählen, fungiert das Spiel als eine Art eigenständige Fortsetzung. Dieser Ansatz ermöglichte es dem Titel, sich von der filmischen Kritik zu distanzieren und auf den narrativen Qualitäten aufzubauen, für die die gefeierten Comic-Autoren Garth Ennis und Jimmy Palmiotti das Skript verfassten. Dadurch orientiert sich das Spiel deutlich stärker an den düsteren, dämonischen Wurzeln der Vorlage und schickt Johnny Blaze in den Kampf gegen klassische Widersacher wie Scarecrow, Deathwatch und Lilith.
Das Spielerlebnis stützt sich auf zwei Säulen: Nahkämpfe zu Fuß und Fahrzeug-Action bei hoher Geschwindigkeit. Die spielerische Grundstruktur ist dabei eine unverblümte, aber überaus effiziente Adaption der God of War-Formel. Der Ghost Rider führt die Hellfire Chain, die in ihrer Funktion stark an Kratos’ Blades of Chaos erinnert und es ermöglicht, weiträumige Kombos auszuführen und Dämonen in der Luft zu jonglieren. Besiegte Gegner hinterlassen Seelen, die in neue Fähigkeiten und Gesundheits-Upgrades investiert werden können. Zur Auflockerung wechselt das Spiel regelmäßig auf das Hellcycle – Arcade-lastige On-Rails-Fahrsequenzen, in denen über Schluchten gesprungen, unter Hindernissen hindurchgedriftet und Gegner mit Höllenfeuer-Stößen aus dem Sattel geschossen werden.
Technisch reizt das Spiel die alternde PlayStation 2-Hardware aus, um eindrucksvolle Partikeleffekte zu erzeugen. Besonders das dynamische Feuer- und Beleuchtungssystem überzeugt. Johnny Blazes brennender Totenschädel und die leuchtend orangen Schweifspuren der Hellfire Chain wirken auf SD-Hardware spektakulär und halten die Bildrate trotz der chaotischen Action bemerkenswert stabil. Zudem bietet der Titel umfangreiche freischaltbare Bonusinhalte, die zum mehrfachen Durchspielen einladen – etwa die Möglichkeit, die gesamte Kampagne als Vampirjäger Blade (inklusive eigenem Moveset und Storyline) oder als Ghost Rider 2099 zu absolvieren.
Bei der Veröffentlichung erntete Ghost Rider für eine Filmumsetzung ein durchwachsenes, aber tendenziell positives Echo. Während die flüssigen Kämpfe und der Respekt vor der Comic-Lore gelobt wurden, gab es viel Kritik für die kurze Spieldauer und den frustrierenden Schwierigkeitsgrad der Hellcycle-Passagen. Aus heutiger Sicht ist das Spiel ein handwerklich solider, spaßiger Klon bekannter Action-Größen, der auch heute noch für kurzweilige Unterhaltung sorgt.
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