Juiced (Platinum)
Ein anspruchsvoller, simulationslastiger Street-Racer, der für seine innovativen ‘Respect’- und ‘Pink Slip’-Mechaniken sowie seine wundersame Rettung nach der Insolvenz des Publishers in Erinnerung geblieben ist.
Beschreibung
Juiced liefert ein semirealistisches Fahrerlebnis, das tief in der realen Tuner-Kultur verwurzelt ist. Der Titel versucht, das Subgenre neu zu definieren, indem er komplexe Systeme für ‘Respect’ und das Management der eigenen Crew einführt. Es bleibt ein eigenständiger Beitrag, der die Serie von der versöhnlichen Arcade-Physik der fünften Generation weg hin zu einem deutlich anspruchsvolleren, disziplinierten Fahrverhalten führte – ein Spiegelbild des damaligen Branchentrends hin zu tiefergehenden Mechaniken und sozialem Management während der sechsten Generation.
Das Spielgeschehen konzentriert sich auf den Aufstieg des Spielers durch das fiktive Angel City, wobei Siege auf der Strecke nur die halbe Miete sind. Anders als bei den Need for Speed-Titeln jener Ära führte das Spiel ein robustes ‘Respect’-System ein, bei dem man sich bei rivalisierenden Crews durch den eigenen Fahrstil, die Fahrzeugsammlung und die Bereitschaft zu ‘Pink Slip’-Rennen, bei denen man das eigene Auto dauerhaft verlieren kann, einen Namen macht. Ein herausragendes Merkmal ist die Crew-Mechanik, die es erlaubt, KI-Fahrer zu rekrutieren und ihnen während des Rennens taktische Befehle wie ‘Position halten’ oder ‘aggressives Fahren’ zu erteilen – dies verwandelt das Spiel effektiv in eine Mischung aus Rennspiel und leichter Strategie. Die Ökonomie ist ebenso fordernd und zwingt den Spieler, Reparaturkosten und Startgebühren gegen hohe Wetteinsätze und das ständige Risiko des Totalverlusts des Wagens abzuwägen.
Die Entwicklung von Juiced verlief bekanntlich chaotisch und war durch die Insolvenz des ursprünglichen Publishers Acclaim Entertainment nur wenige Wochen vor dem geplanten Erscheinungstermin gezeichnet. Dies führte zu einer bedeutenden Kurskorrektur, als THQ die Rechte erwarb und dem Team von Juice Games weitere sechs Monate für den Feinschliff einräumte. Dies wird an der australischen Alterseinstufung deutlich, für die Acclaim bereits im August 2004 ein Rating erhielt, welches von THQ später übernommen wurde. Ein technisches Plus war das Echtzeit-Schadenssystem für über 50 lizenzierte Fahrzeuge – eine Funktion, die von Herstellern üblicherweise untersagt wurde und sich direkt auf die Leistung und Aerodynamik der Wagen auswirkte. Dieser Ehrgeiz hatte jedoch technische Nachteile: Die Physik-Engine nutzte ein Fahrverhalten, das viele Spieler im Vergleich zu Gran Turismo als unintuitiv empfanden, und die Bildrate sackte bei vielen Fahrzeugen mit komplexen Textur-Layern auf dem Bildschirm häufig unter das 60-fps-Ziel.
Nach der Veröffentlichung erhielt Juiced eine gemischte, aber respektable Resonanz. Kritiker sahen es oft als anspruchsvollere Alternative zur NFS Underground-Reihe. Fachzeitschriften lobten die Tiefe des Crew-Managements und die Spannung des Wettsystems, merkten jedoch häufig an, dass die unausgereifte Steuerung und der steile Schwierigkeitsgrad abschreckend wirken könnten. Besonders im Vereinigten Königreich war der Erfolg beachtlich, wo es die Verkaufscharts anführte und eine treue Fangemeinde aufbaute. Rückblickend betrachtet ist es ein interessantes Experiment in der Genre-Verschmelzung; auch wenn ihm der Hochglanz der Konkurrenz fehlte, leistete es Pionierarbeit bei sozialen und ökonomischen Mechanismen, die heute fester Bestandteil moderner Rennspielkarrieren sind.
Datenblatt
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