Flashback
Ein wegweisender 16-Bit-Plattformer, der für seine beeindruckende Rotoskopie-Animation, die dichte Cyberpunk-Atmosphäre und den präzisen, entschlossenen „French Touch“ im Spieldesign in Erinnerung bleibt.
Beschreibung
Mit Flashback portierte das französische Studio Delphine Software sein überaus ambitioniertes Sci-Fi-Abenteuer nach dem Debüt auf dem Amiga erfolgreich auf die Heimkonsolen. Unter der Regie von Paul Cuisset zeugt der Titel von einer europäischen Entwicklermentalität, die realistische, physikbasierte Bewegungsabläufe dem schnellen, Arcade-lastigen Maskottchen-Trend der 16-Bit-Ära vorzog. In PAL-Gebieten wie Australien und Europa wurde das Spiel von U.S. Gold mit einem prägnanten, minimalistischen Packungsdesign veröffentlicht.
Das Gameplay basiert auf einer rasterorientierten, methodischen Erkundung und Kampfmechanik. Spieler schlüpfen in die Rolle von Conrad B. Hart, einem Wissenschaftler mit Gedächtnisverlust, der einer massiven Alien-Verschwörung auf die Spur kommt, bei der sich als Menschen getarnte „Morphs“ in der Gesellschaft festgesetzt haben. Der Spielfortschritt erfordert die Navigation durch komplexe, mehrschichtige Umgebungen, die von einem feindseligen Dschungel bis zur dystopischen Metropole New Washington reichen. Da Conrads Bewegungen mittels Rotoskopie (abgepaust von realem Videomaterial, ähnlich wie in Prince of Persia) animiert wurden, erfordert jede Sprungsequenz, jede Rolle und jeder gezogene Schuss präzises Timing. Kämpfe sind eher strategisch als reaktiv und fordern den geschickten Einsatz von Conrads persönlichem Schutzschild und seiner Pistole mit unendlicher Munition.
Aus technischer und archivarischer Sicht ist die SNES-Umsetzung eine faszinierende Studie der Hardware-Kompromisse im Vergleich zur Mega-Drive-Version, die als ursprüngliche Basis gilt. Das SNES bot eine überlegene akustische Präsentation: Dank des SPC700-Soundchips konnte Komponist Raphaël Gesqua einen dichten, filmreifen und atmosphärischen Soundtrack erschaffen, der die härteren FM-Synthesizer des Mega Drive deutlich in den Schatten stellte. Aufgrund der geringeren CPU-Taktfrequenz des SNES leidet Flashback jedoch unter einer spürbar niedrigeren Bildrate. Die Rotoskopie-Animationen wirken dadurch etwas schwerfälliger, was das ohnehin anspruchsvolle Plattform-Gameplay weiter verschärft.
Bedauerlicherweise waren alle SNES-Versionen von den Zensurvorgängen von Nintendo of America betroffen. Für den Titel mussten Bezüge zum Wort „Tod“ entfernt, eine Bar in ein steriles „Café“ umgewandelt und die Farbe des Blutes der Morphs geändert werden. Auch wenn dies in einer Periode spezifisch amerikanischer Moralvorstellungen geschah, waren die Auswirkungen auf die künstlerische Freiheit weltweit spürbar.
Trotz der Limitierungen erntete die SNES-Version von Flashback weitreichendes Lob und wurde zum meistverkauften französischen Spiel seiner Zeit. Rezensenten feierten die flüssigen Animationen, die filmischen Zwischensequenzen und die reife, von Total Recall inspirierte Geschichte. Rückblickend ein Klassiker, der Nostalgie weckt, auch wenn die SNES-Fassung technisch nicht die erste Wahl für den Konsum ist. Wer ein ursprüngliches 16-Bit-Erlebnis sucht, greift zum Mega Drive; ansonsten sind modernere Iterationen, wie die ungewöhnliche Dreamcast-Version, empfehlenswert.
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