Tomorrow Never Dies
Ein PlayStation-exklusiver Third-Person-Shooter, der einen cineastischen Ansatz der Bond-Reihe verfolgte, aber aufgrund des fehlenden Mehrspielermodus – dem Herzstück von GoldenEye 007 – stark kritisiert wurde. Trotz abwechslungsreicher Fahrzeug-Missionen und eines gelungenen Soundtracks stand das Spiel durch seine unpräzise Zielmechanik stets im langen Schatten des N64-Vorgängers.
Beschreibung
Tomorrow Never Dies stand vor der schwierigen Aufgabe, den Nachfolger eines der bedeutendsten Konsolen-Shooter aller Zeiten zu bilden. Nach dem massiven kritischen und kommerziellen Erfolg von GoldenEye 007 auf dem N64, gesichert durch Nintendo und Rare, sicherte sich Electronic Arts die James-Bond-Lizenz. EA beauftragte Black Ops Entertainment mit der Entwicklung, was in einem exklusiven PS1-Titel resultierte, der die Serie in eine völlig neue Richtung lenkte.
Der unmittelbarste und auffälligste Unterschied liegt in der Kameraperspektive. Während GoldenEye das Genre der Konsolen-FPS revolutionierte, setzte Tomorrow Never Dies konsequent auf ein Third-Person-Format. Dies ermöglichte es Spielern, das Charaktermodell von Pierce Brosnan direkt in der Umgebung zu steuern, was EAs Ambition unterstrich, ein filmisches Erlebnis zu inszenieren. Dies erforderte jedoch ein schwerfälliges Auto-Aim-System, dem die präzise, manuelle Zielkontrolle fehlte, die Rare auf dem N64 perfektioniert hatte.
Das gravierendste Manko von Tomorrow Never Dies ist das Fehlen eines Mehrspielermodus. GoldenEye festigte seinen legendären Status durch die legendären Vier-Spieler-Splitscreen-Duelle. Die Veröffentlichung eines hochkarätigen Bond-Spiels nur zwei Jahre später, das sich rein auf eine Einzelspielerkampagne beschränkte, sorgte weltweit für Enttäuschung und schmälerte den langfristigen Wiederspielwert erheblich. Immerhin versuchte das Spiel, das Gameplay an die Action-Szenen des Films anzupassen. Wo GoldenEye den Spieler fast ausschließlich zu Fuß oder in Panzern agieren ließ, bot Tomorrow Never Dies dedizierte Fahr- und Skimissionen. Der von Tommy Tallarico komponierte Soundtrack ist ein weiterer Glanzpunkt und fängt die blechbläserlastige Spionage-Atmosphäre der Filmreihe exzellent ein.
Letztlich sorgte die Strahlkraft der Bond-Marke für einen großen kommerziellen Erfolg, doch historisch betrachtet bleibt der Titel weit hinter GoldenEye zurück. Er diente als experimentelles Fundament, bevor EA in der PlayStation 2-Ära das volle Potenzial der 007-Lizenz entfalten konnte.
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